Einblicke

Und Christine Martens geht in



Runde 2 …

                    … ohne vier



(auch ein Tennismatch hat wenigstens 2 Sätze)





Die Fortsetzung der heiteren Familiengeschichte "Eine Scheidung wider Willen" erscheint in Kürze bei tredition.


Kleiner Ausschnitt aus dem Kapitel " Tabea kommt":

Es war etwa eine knappe Woche nach dem Einschulungstag, als mich in der Mittagszeit ein Anruf von den Kölner Verkehrsbetrieben erreichte. „Schönen juten Tach“, hörte ich eine tiefe Männerstimme an mein Ohr dröhnen. „Bei uns ist ein Schultornista und ein Spochtbeutel gelandet. Ich meine, hier im Fundbürro. Da steht Ihr Name drauf: Machtens. Dat sin Se doch, oder?“
Mir fiel erst mal gehörig das Herz in die Hose, und dann galoppierte es im Eiltempo davon, pochte – wieder zurückgekehrt – dann in der Brust wie wild. Was war passiert? „Jaaa“, antwortete ich gedehnt und rechnete mit dem Schlimmsten.
„Bleiben Se mal janz ruhig“, meinte die tiefe Brummstimme. „Sie hab’m da janz clevere Jungs, Frau Machtens.“
„Ach ja?“, fragte ich vorsichtig und spitzte meine Ohren.
„Der Kleine hat Ranzen und Beutel im Bus der Linie hundertvierunfuffzich verjessen beim Umsteigen, und da hat der Jroße den Kollegen in der Buslinie hundertfümunfuffzich anjesprochen, er solle mal den Kollegen von der Linie hundertvierunfuffzig anfunken, weil sein kleiner Bruder die Schulsachen liejen jelassen hätt.“
Meine sorgenvoll in Falten gelegte Stirn entkitterte sich langsam, und ich lächelte.

„Se können die Sachen bis 16 Uhr hier in Niehl beim Fundbürro abholen. Bis später dann.“ Klick. Weg war die brummige Stimme.
Es klingelte im nächsten Moment an der Wohnungstür. Aufgeregt trappelnde Füße schienen sich ein Wettrennen auf der Treppe zu liefern. Tim und Tobi kamen die letzten Stufen Seite an Seite in die zweite Etage gelaufen. Sozusagen Kopf an Kopf stürmten sie die Ziellinie, und wäre ich nicht beiseite getreten, sie hätten mich umgerannt.
„Mami, wir müssen sofort losfahren!“, kommandierte Tim atemlos.
„Aha, und wieso?“, fragte ich und gab mich völlig ahnungslos.
Zack-zack landete Tims Scout auf dem Boden der Diele, und er stemmte seine Hände keck in die Taille. „Na, wir müssen dem Tobi seine Sachen bei der KVB abholen.“ Als hätte ich das wissen müssen, schaute er mich ebenso ungläubig wie geradezu fassungslos an. Diese Mütter, immer muss man ihnen alles erst erklären. Und schon legte er los … Der Tobi hat doch … Fundbüro … Bus und Kollegen anfunken …
Ich ging zwischenzeitlich langsam in die Küche, wohin die beiden Knaben mir folgten. Tobi sagte überhaupt nix, sondern schaute verunsichert und vom Hauch eines Schuldbewusstseins umwölkt in der Gegend rum.
Das Essen für die beiden war bereits fertig. Ich stellte die Teller auf den Tisch und für jeden ein Glas frische Milch. Tim fasste es nicht, und ich hielt Ausschau nach dem Pony, von dem er sich getreten fühlte.
„Aber wir können doch jetzt nicht essen!?“, entrüstete er sich.
„Doch, Tim, dafür ist gerade noch Zeit, dann fahren wir los und holen Tobis Sachen ab“, sagte ich entspannt und fügte aufklärend hinzu: „Das Fundbüro hat mich eben angerufen, ich weiß Bescheid.“
Tim fügte sich dennoch nur widerwillig und setzte sich.
„Mami, bist du sauer?“, fragte Tobias kleinlaut.
„Aber nein, Tobi, warum denn? Das kann doch jedem passieren. Und ich finde, ihr habt ganz toll reagiert. Mensch, das war klasse, dass ihr den Busfahrer gebeten habt, den Kollegen per Funk zu informieren. Prima! Ich bin sehr stolz auf euch.“
Da strahlte auch der Kleine, setzte sich und verschlang heißhungrig seine Spaghetti. (In dieser Familie gibt es ständig Spaghetti auf den vielfachen Wunsch zweier wichtiger Persönlichkeiten.)
Mit noch nicht ganz geleertem Mund korrigierte mich Tim: „Ich habe den Busfahrer angesprochen. Der Tobi wusste gar nicht, was er machen sollte und war nur erschrocken.“
„Das stimmt“, pflichtete Tobias seinem Bruder kauend bei. „Aber du bist ja auch der große Bruder. Ich lerne das noch.“
Einfach süß, die beiden. Sie konnten streiten, aber sie vertrugen sich auch, und wenn’s drauf ankam, hielten sie zu­sammen. Ich war sehr zufrieden mit diesen Eigenschaften. Tabea offenbar auch, denn sie versetzte mir in diesem Moment einen dezenten Fußtritt unter den rechten Rippenbogen, so als wolle sie Beifall klatschen. Ich kicherte lautlos in mich hinein.
Kaum waren die Spaghetti verputzt, die Gläser geleert, machten wir uns auf den Weg. Bei dieser Affenhitze am Nachmittag die Wohnung überhaupt zu verlassen und in das aufgeheizte Auto zu steigen, widerstrebte mir sehr. Zudem war mittlerweile doch der Platz zwischen Rückenlehne und Lenkrad definitiv zu eng für mich – ich schrieb immerhin die 37. Schwangerschaftswoche. Obendrein verhinderten die Recaro-Sportsitze, dass ich wenigstens halbwegs elegant aus dem Auto aussteigen konnte. Meist musste ich mich am Türrahmen herausziehen, und es schaute eher wie ein Herauswälzen aus. Walfische sollten nicht Auto fahren!
Na ja, das würde ja auch bald anders, tröstete ich mich.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir auf der anderen Rheinseite den Bahnhof der KVB in Niehl und parkten den Fiesta. Leider durfte man nicht ganz an die Gebäude heranfahren, sondern musste relativ weit weg davon stehen bleiben. Die Jungs sprangen aus dem Wagen und rannten auf die Gebäude zu, während ich mit meinem Kugelbauch und furchtbar schwitzend hinterher tapte.
Von Ferne sah ich zwei Gesichter, die hinter den Fensterscheiben klebten und zuschauten, wie zwei flinke Knirpse flott den Hof überquerten und ein weißer Baumwollballon auf zwei Beinen hinter ihnen herschwebte. Schweben ist nicht ganz der passende Begriff, passt aber zum Ballon.
Wir betraten … nein, ich betrat das Büro geraume Zeit nach meinen Söhnen und lächelte matt. „Guten Tag“, sagte ich, seufzte und freute mich darüber, dass der Raum klimaanlagengekühlt war.
Zwei grinsende Männergesichter schauten mich belustigt an. Ein bisschen grummelte es in mir und eine entsprechende Bemerkung krabbelte mir auf der Zunge rum, aber ich wollte mal nicht so sein und lächelte stattdessen milde über die Theke hinweg.
„Da ham Se aber Jlück jehabt, Frau Machtens“, meinte der eine, und ich glaubte die Brummstimme zu erkennen. „In fünf Minuten hätten wir Feierabend jemacht.“ Er schaute Bestätigung suchend zu seinem Kollegen, der dann auch eifrig nickte, während er Brotdose und Thermosflasche in einem Rucksack verschwinden ließ.
„Ach, was?“, entfuhr es mir, immer noch außer Puste aber auch immer noch sanft lächelnd. „Und Sie hätten nicht gewartet, obwohl ich Ihnen versicherte, dass ich die Sachen noch heute abholen komme?“
Die beiden nickten tatsächlich. […]

Mehr in Kürze ;-)


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