Einblicke

Einblick in aktuelle Arbeiten:


Nachdem ich so häufig nach einer Fortsetzung der Geschichte "Eine Scheidung wider Willen" gefragt werde, ist es nun soweit: Ich arbeite derzeit daran.
Eine neue kleine Kostprobe aus dem 11. Kapitel: Eine Reise nach Italien

Foto von Mari Ana (Rumänien) #pixabay


Weihnachten, Silvester und auch die Winterferien der Kinder zogen an uns vorüber. Ehe wir uns versahen, wurde es Februar.
Zu meiner Freundin Eveline in Nürnberg pflegte ich immer noch regen Kontakt, schon weil wir ja nun beide nochmals ein Baby bekommen hatten. Sie brachte im Juli eine Tochter zur Welt, und Tabea kam im September. Diese Freundin war eine Cousine von Andreas, welchen Grades auch immer. Weil wir uns so gut verstanden und unsere Verbindung sich intensiviert hatte, beschlossen Andreas und ich, sie zur Patin für Tabea zu machen. Neben Doris hätte Tabea dann zwei wirklich liebevolle Patentanten.
Evelines Ehemann Heinz-Udo hatte kurz nach Neujahr während einer Geschäftsreise auf dem Weg von Norddeutschland nach Nürnberg bei uns einen Tag Pause eingelegt. Spontan schlug er vor, dass wir im März eine Woche gemeinsam nach Italien reisen. Der Lago Maggiore sei so schön, und ein paar Tage Erholung in der frischen Bergluft täte uns allen sicher gut.
Spontan wie selten stimmte Andreas dem Plan zu. Von der Überraschung musste ich mich noch erholen, doch schon eilten meine Gedanken zu unserem kleinen Autochen unten vor dem Haus. Mir war schleierhaft, wie fünf Personen plus Gepäck für eine ganzeWoche fast 800 Kilometer nach einem Ort namens Cannobio reisen sollten in einem Ford Fiesta.
Heinz-Udo war längst wieder abgereist, als ich meine Zweifel kundtat. Aber ebenso spontan wie Andreas zugesagt hatte, wischte er meine Bedenken charmant lächelnd beiseite: „Das wird schon gehen.“
Da war ich sprachlos.
Von der Spontanität überrascht war ich auch deshalb, weil Andreas doch manches, was Heinz-Udo so von sich gab, „seltsam“ fand, nicht nachvollziehbar, wie er sagte, und ziemlich rumgesponnen. Was genau er damit meinte, kann ich nicht mehr erinnern. Aber Andreas, der nüchtern Vernünftige fand ja grundsätzlich fantasievolle Ideen suspekt. Aus meiner Sicht waren die Ideen von Heinz-Udo für ihn nur deshalb nicht nachvollziehbar, seltsam und Hirngespinste, weil er zu der Kategorie der Berufsskeptiker gehört, die mit geringer bis gar keiner Fantasie gesegnet ist.
Allen Bedenken zum Trotz planten wir die Reise, die schon drei Wochen später stattfinden sollte.
Am Ende der Vorbereitungen stiegen wir eines frühen Morgens in den Wagen. Klettern traf die Beschreibung eher. Während die Jungs und ich auf der Rückbank Platz nahmen, die Knie am Kinn – also meine zumindest – und kuschelig Seite an Seite gequetscht mit diversem Gepäck unter den Füßen, thronte unsere Prinzessin im Maxi-Cosi auf dem Beifahrersitz. Drumherum drapiert waren diverse Utensilien, die besonders für sie während der Fahrt benötigt würden. Im Fußraum befand sich unser Reiseproviant.
Man stelle sich einen fast Zweimeterhünen vor, der in einem kleinen Auto des Typs Fiesta ziemlich weit vorgerückt mit dem Fahrersitz hinter dem Sportlenker klemmt: den Kopf ein bisschen eingezogen, die Knie weit voneinander entfernt, dazwischen das Lenkrad, die Arme an den Körper gepresst und nach hinten null Sicht – schaute aus wie gefaltet.
Das Gepäck befand sich auf dem Dach. Reisebett, Koffer, einige Tüten und Taschen und darüber eine Plane, damit bei Regen nichts nass würde … Nicht berechnet hatten wir den Fahrtwind. Trotz der gewichtsmäßigen Belastung war das kleine Sportflitzerchen imstande 130-140 km/h zu brausen. Der Fahrtwind zerrte und rupfte und riss an der Plane, die wir mit Gepäckspannern ausreichend befestigt glaubten, dermaßen, dass Löcher und Risse entstanden.
Eingeplant war zwar Regen, aber nicht in der Menge und mit der Ausdauer, wie er uns unterwegs begleitete. Durch Risse und Löcher hindurch trat also das peitschende Regenwasser ein. Erst auf Koffer, Taschen, Tüten und im Verlauf der Fahrt an Reißverschlüssen und diversen Kanten und Knicken hindurch in unsere Klamotten.
Andreas mühte sich nach Kräften bei unseren kurzen Rastaufenthalten, die Plane neu zu sichern – zwecklos.
Irgendwie schafften wir es sogar über den Alpenpass, den Brenner. Fiesta schnaufte aufwärts gegen Regen und Schnee und Wind unter tiefhängenden Wolken, schleppte sich mit uns brav durch den Tunnel, und dahinter erwartete uns schließlich strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Ein Ah und Oh und Ach wie schön machte die Runde im Fiesta.
Mir wurde sofort wärmer, und ich empfand die Sonne und den Himmel als Geschenk und Belohnung für die Plackerei der Fahrt bis hierher. Wenn das Wetter so bliebe, dachte ich versonnen, wäre eine Woche im Ferienhaus am Lago Maggiore sicher paradiesisch …
Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Das Ferienhäuschen war nicht annähernd so hübsch und gemütlich wie erwartet. Tatsächlich erinnerte die Behausung eher an eine Notunterkunft. Allerdings war es auch schon ziemlich dunkel, als wir eintrafen, und vielleicht wäre bei Tageslicht besehen ja alles viel besser.
War es leider nicht. Zum einen waren blauer Himmel und Sonnenschein verschwunden, und zum andern war es draußen finster, kalt – und wieder regnerisch.

Eigentlich wunderschön, wenn das Wetter sonnig warm ist.
Das Glück hatten wir leider nicht.
Bild von Eifelhunter #pixabay

Der Lago Maggiore hätte ein „r“ vertragen können: Largo Maggiore. Trüb und grau, riesig, beinahe furchteinflößend lag er da zwischen hohen Bergen, und wenn ich lange genug draufschaute, bekam ich das Gefühl, der See könnte mich gleich verschlucken.
Nichtsdestotrotz ließen wir uns die Laune nicht verhageln. Nachdem die erste Enttäuschung sich gelegt hatte, fanden wir es doch ganz nett. Wir waren zusammen, konnten gemeinsam etwas unternehmen und hatten Spaß, also machten wir das Beste aus allem. Wir gurkten durch die Gegend und bestaunten dies und das. – Ich weiß wohl, dass „dies und das“ eigentlich nichts erklärt, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, was wir in Italien in jener Woche alles besucht und angesehen haben.
Woran ich mich allerdings sehr wohl erinnere, ist eine Horrorfahrt durch allerdunkelste Bergregion in die (gefühlt) höchsten Höhen zu einem Etablissement, wo man das beste Essen bekommen sollte.
„Wundert euch nicht“, leitete Heinz-Udo seine Vorbereitung auf das ein, was uns auf dem Weg zum Abendessen erwarten würde. „Die Wege sind nicht ganz befestigt. Man fährt dann auch über eine Holzbrücke, die über eine herrliche tiefe Schlucht führt. Eigentlich schade, dass wir erst heute Abend fahren, wenn es dunkel ist. Man kann sonst das gesamte Panorama der Bergzüge sehen und die unglaubliche Tiefe der Schlucht erkennen …“
An dieser Stelle klinkte ich mich gedanklich aus […]

Ob das gut war oder eher nicht … demnächst mehr, oder endlich auch das fertige Buch ;-) Ich halte euch weiter auf dem Laufenden!


Foto von unsplash (GB) at pixabay



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