Freitag

Heitere Urlaubslektüre



Ab in den Urlaub...



Stunden köstlicher Entspannung versüßen

mit lustigem, kalorienarmen Lesestoff


Foto by Bibliotheek Bornem (Belgium) #pixabay.com 




[...]
„Rein theoretisch könnten Sie jetzt wieder heiraten“, sagte mein Rechtsanwalt und drückte mir vor dem Gerichtssaal fest die Hand zum Abschied. „Und Sie natürlich auch, Herr Martens! Ha, ha, ha!“, fügte er hinzu und schüttelte Andreas mit markigem Lachen die Hand.
Nein, danke! Bestimmt nicht!“, murmelte ich missgelaunt in meinen hochgeschlagenen Mantelkragen. Wie konnte der Mann bloß auf diesen irrwitzigen Gedanken kommen. Völlig absurd!
Ich riskierte einen Seitenblick auf Andreas. Hochgewachsene Einsachtundneunzig standen unbeholfen in der Gegend herum. Dabei hatte er, wie immer, die Hände in die Hosentaschen versenkt. Die Stirn wurde immer höher mit den wachsenden Geheimratsecken. Rot schimmerte sein Schnauzbart und zuckte nervös herum, als er das eigentlich sympathische Gesicht zu einem unsicheren, schiefen Lächeln verzog. Fühlte er sich vielleicht auch so fehl am Platze wie ich? Hatte er das, was hier gerade passiert war, wirklich gewollt? Oder war ihm genauso seltsam schwammig in der Magengegend zumute wie mir? Was ging wohl gerade in seinem Kopf vor?
Die Anwälte trollten sich gemeinsam von dannen. Sie unterhielten sich scheinbar belustigt. Was die wohl von uns dachten? Ich sah sie vertraulich miteinander reden und lächeln. An uns dachten sie wahrscheinlich gar nicht mehr. Der Fall war ja nun auch erledigt.
Plötzlich wurde mir ganz heiß in meinem Strickkleid und die Wollfasern piekten mir in die Haut, dass es nur so prickelte. Da stand doch tatsächlich Andreas' neue Flamme! Die Frau war mir vorhin schon aufgefallen! Mir rauschte der Puls von knapp über 50 in nur 0,1 Sekunden auf rasante 200 Sachen! Nicht zu glauben, dass Andreas die Stirn hatte, mit seiner Freundin hier aufzutauchen.
Die Frau war mit einem unmöglichen Namen bestraft worden. Wanda! Ich fragte mich, innerlich kopfschüttelnd, was ein kleines Baby seinen Eltern angetan haben mochte, dass sie es mit so einem bescheuerten Namen stempelten. Leider musste ich neidvoll gestehen, dass sie verdammt gut aussah und höchst geschmackvoll gekleidet war. Geschmackvoll und vorteilhaft, denn all ihre natürlichen Vorzüge wurden durch das Outfit unterstrichen. Sie hatte lange, dicke Haare bis zum wohlgeformten Popo und Beine vom Fabrikat Endlos! Auch die übrige Figur ließ nichts vermissen, was Männerphantasien beflügeln konnte. Sie himmelte Andreas mit ihren blauumschatteten Äuglein an und strahlte wie eine Schönheitskönigin. Und dann wagte sie, mit einem unverhohlenen Seitenblick aus etwa Einsfünfundachtzig auf meine bescheidenen Einssiebzig zu schielen.
Da wurde mir schlecht! Mein Magen krampfte, meine Beine fühlten sich starr an, als hätte ich sie mit den Absätzen im Boden verankert. Ich musste schnellstens raus hier. Oder sollte ich was sagen? Irgendwas bissig Ironisches? Am liebsten zynisch! – Aber mein spärlicher Mut sackte in die verkrampfte Magengrube und vereinte sich mit der Übelkeit. Ich beschloss, lieber den Mund zu halten und sah zu, dass ich hier weg kam!
Wegen dieser Erscheinung lehnte Andreas mein kleines Waffenstillstandsgesuch ab! Na ja, ich konnte ihn schon ein bisschen verstehen. Trotzdem spürte ich den Stich im Herzen! Verdammt! –
Ich schaute hinter ihnen her, als sie vertraut Hand in Hand zum Aufzug gingen, während ich meine einsamen kalten Hände in den tiefen Taschen meines Trenchcoats verstaute. Auf keinen Fall wollte ich mit den Zweien zusammen einen kleinen Aufzug besteigen, deshalb begann ich zum Schein hektisch, aber eigentlich nach nichts suchend in meiner Handtasche herum zu wühlen. Dabei sah ich zwangsläufig an mir herunter: ein cremefarbenes Wollkleid von gestern, dunkelblauer Trenchcoat aus der Vorvorvorsaison und meine Füße steckten in Pumps, die so bequem aussahen wie ich sie mir in gut drei Jahren eingelaufen hatte. Keine Spur von attraktiver Eleganz! Da konnte ich mit Stöckelschuh-Ballettrock-Wanda keinesfalls in einem drei Quadratmeter großen Aufzuggehäuse stehen! Ich fühlte mich hässlich und klein!
Gehorsam folgten meine Beine dem Befehl meines Hirns, diesen Ort zu verlassen. Leider begegnete ich den beiden auf der Straße zum Parkplatz doch wieder. Sie verließen gerade mit Andreas flottem Sportfiesta den Parkplatz und winkten mir grinsend zu, als ich den Zettel an meiner Windschutzscheibe entfernte – Knolle für verbotenes Parken! Die hatten gut grinsen!
Ich kletterte in meinen Familienpassat und fuhr durch den Nieselregen dieses Märztages zu meiner Freundin Olivia [...]

[Lesepröbchen aus "Eine Scheidung wider Willen" by AF]



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