Dienstag

Buchvorstellung: WATERFALLS - eine Farm in Südafrika

Mit „Waterfalls– eine Farm in Südafrika“ stellt die Schriftstellerin und Malerin Elizabeth Kott ihr neustes Buch vor, in dem sie ihre Erlebnisse in Südafrika sowie während einer Reise durch die Türkei beschreibt. Lesen Sie in der nachfolgenden Leseprobe eine kleine Einführung und lassen Sie sich verzaubern wie die Rezensentin… (Link zur Rezension No.1 und auf facebook befindet sich No. 2) Die Leser sind begeistert!





132 Seiten Paperback ISBN 978-3-8495-5146-9 (Preis 10,90 €)
E-Book  ISBN 978-3-7323-0070-9 (Preis 4,99 €) 
mit zahlreichen Bildern illustriert 

Leseprobe:

Waterfalls

Das eintönige, rhythmische Geklapper der Räder über die Bohlen, ließ sie in ein Gefühl der Schwere versinken. Sie berührte die alte Ledertasche auf ihrem Schoß mit einem Gefühl von Vertrautheit, und ihre Finger suchten die beruhigende Härte des Papiers in einem der verschlissenen Innenfächer. Irgendwann war die Ledertasche neu gewesen und hatte nach Leder und Politur gerochen. Sie war ein Geschenk ihres Mannes. Jetzt war das Leder brüchig geworden und die Oberfläche durch das viele Hantieren weich und matt. Die Reise hatte ungemein viel Geld gekostet. Für eine neue Garderobe mit neuen Schuhen - geschweige denn eine neue Tasche - war einfach nichts mehr übrig gewesen.
Die Worte auf dem Papier kannte sie schon längst auswendig. Wie oft nur hatte sie sie schon gelesen, seit diesem verhängnisvollen Tag, an dem sie den Brief in ihrem Briefkasten fand?
„Wenn du noch einmal unser altes Haus und die Farm sehen möchtest, bevor alles vernichtet wird, dann komm. Wir werden gemeinsam hingehen...“
Es waren die Worte ihres Bruders, die sie zusammenzucken ließen, als sie sie las. So viele Jahre waren vergangen. So weit entfernt voneinander waren sie aufgewachsen, haben gelebt und gelitten, und nun führten die alten Kindheitserinnerungen sie doch wieder zusammen.
Sie hatte gezögert und wollte erst nicht reisen. So viel Geld…! Woher sollte sie es nehmen? Ihr bescheidenes Einkommen im Büro reichte gerade mal zum Leben, schon lange nicht mehr zum Reisen. Sie hatte den Brief auch nicht sofort geöffnet, sondern trug ihn in ihre Wohnung und brühte sich zuerst einen Tee. Als ob sie in ihrer Umgebung Trost und Rat suchte, lief sie in ihrer kleinen Wohnung hin und her und betrachtete die ihr so vertrauten Gegenstände. Schon lange war diese Wohnung ihr einziger Halt im Leben. Schon lange betrat niemand mehr ihre vier Wände.
Auf dem Schreibtisch stand ein Foto von einem jungen, hübschen Mann. Die Augen lachten und strahlten Zuversicht und Liebe aus. In seinen Armen trug er ein Kätzchen, rabenschwarz, nur die gelben Augen in dem Gesichtchen leuchteten. Sie strich zärtlich mit den Fingern über das Bild. Das alte Gefühl von Trauer und Wehmut überkam sie. Schließlich jedoch riss sie entschlossen den Brief auf und las ihn.
Was soll ich noch hier, dachte sie. Hier ist doch nichts mehr geblieben. Nicht einmal die paar Pflanzen - die auch nicht recht gedeihen wollten - konnten sie dann von ihrem Entschluss abhalten. Nein, sie würde gehen.
Die Tage, an denen sie alles vorbereitete, vergingen wie im Flug, und sie bewegte sich wie in einer Trance. Sie kündigte ihre Arbeitsstelle, gab die Wohnung auf und verschenkte die Pflanzen. Dann war es plötzlich so weit. Sie stand in ihrer Wohnung, die sie nun hinter sich lassen würde, und betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Die grünen Augen, die früher nur so sprühten von Leben und so viele Menschen in ihren Zauber hineingezogen hatten, lagen jetzt dunkel umschattet und tief in ihrem schmalen Gesicht. Die Wangen waren bleich und eingefallen. Der Mund, der so gern geküsst hatte, war hart und schmal geworden. Sie strich ihr Haar zurück und benutzte zum ersten Mal, seit dem Tod ihres geliebten Mannes, wieder Lippenstift.
„Noch einmal leben“, flüsterte sie ihrem Spiegelbild zu.
Das Geklapper der Räder trug sie in Träume hinein. Als sie durch das schmutzige Fenster nach draußen schaute, brachte das verdorrte Gelb der Steppe die Erinnerungen rasch zurück…
Sie war neun oder vielleicht zehn gewesen und lag lang ausgestreckt hinten im Wagen. Alles roch nach Staub und Hitze. Die Kleider klebten an ihrem Körper. Die Straße war gerade und streckte sich endlos in die Wüste hinein. Ihr war schlecht, hundselend. Wenn sie die Augen öffnete, überkamen sie Wellen von Übelkeit. Vorne im Wagen sprachen ihre Eltern miteinander. Die Motorengeräusche des Wagens verschleierten die Worte. Nur Töne drangen zu ihr durch.
„Papa, mir ist schlecht“, konnte sie gerade noch herausbringen, als sie sich schon wieder übergeben musste. Ihr Körperchen zuckte zusammen. Ihr Brustkorb tat weh. Ihre Mutter kühlte ihr das Gesicht mit Wasser, das sie aus einer kleinen leinenen Wasserflasche goss, die im Fahrtwind an der Stoßstange hing. Es enthielt herrlich kühles Wasser. Sie lief ein paar Schritte um den Wagen mit ihr. Nur die endlosen Weiten waren zu sehen und tanzende Hitzewellen flirrten über der Straße. Kein anderes Auto, kein Mensch rührte sich in dieser von Gott verlassenen Gegend. Sie war ein Kind, es ging ihr furchtbar elend, sodass sie die wunderbaren Farben der Landschaft gar nicht wahrnehmen konnte. Die für sie so eintönig wirkende Landschaft spiegelte alle Farben des Regenbogens. Tiefes Purpur wechselte sich mit Veilchenblau und Gold ab. Die Dornensträucher am Rand der Straße formten obskure Gestalten, aber das Olivgrün der Blättchen und das Weiß der Dornen umrandete diese herrlichen Gebilde. Auch waren sie gar nicht allein. Große Tausendfüßer krochen über die verbrannte Erde. Wespen flogen von einem winzigen Blütchen einer Akazie zur anderen. Ein Chamäleon kroch langsam hinter die Zweige eines Dornbusches und versteckte sich, als der Wagen hielt. Gleichzeitig riss das Gezirpe der Zikaden sofort ab.
Sie waren zu viert – ihr Bruder war dabei - und doch konnte sie sich überhaupt nicht an ihn erinnern. Waren sie sich schon damals so fremd…?

Elizabeth Kott:

Elizabeth Kott wuchs in den 50er Jahren als echtes Burenmädchen in Südafrika auf, wo sie eine glückliche Kindheit erlebte. Ihre Muttersprache ist Afrikaans. Das Buch (in Deutsch und Englisch) entstand zuerst als Vergangenheitsbewältigung, um den Verlust ihrer Farm und Heimat zu verarbeiten. Zusätzlich wurden fiktive Themen eingefügt. Daraus wurde dann ein Roman.

Als junges Mädchen wurde sie aus der schönen Umgebung von Stellenbosch in die raue Wirklichkeit des südlichen Schwedens gebracht wo sie zuerst die Sprache lernen sollte. Über viele Umwege kam sie nach Holland, dann nach Belgien, um im erwachsenen Alter wieder nach Südafrika zu gehen. Allerdings blieb sie nicht dort, sondern kam wieder nach Europa zurück. Mit ihrem deutschen Mann war sie 35 Jahre glücklich verheiratet, bis er unerwartet an einem Herzstillstand starb.
Die Autorin beschreibt den Verlust ihrer Heimat, und ihre Kindheitserinnerungen führen den Leser in das Südafrika der 50er Jahre mit einer Beschreibung der Apartheid. Die Naturbeschreibungen erwecken beim Leser den Wunsch, selbst dieses wunderschöne Land zu besuchen.




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