Montag

Liebe, Philosophie und mehr...

Gedanken einer Nacht...
Es ist rabenschwarze Nach draußen, doch die Bäume am See hinter meinem Garten heben sich noch deutlich vom Himmel ab. Auf meinem Tisch lediglich eine brennende Kerze, der Plattenspieler läuft, meine Gedanken sind auf Reisen...
Oft habe ich mir in letzter Zeit vorzustellen versucht, wie die Unendlichkeit hinter dem Sternenhimmel ausschauen mag. Die Weite des Universums ist unermesslich und fasziniert mich. Wie schön, dass es immer noch etwas gibt, das sich nicht erklären und begründen lässt. Es bleibt – im positiven Sinn – unfassbar! Ich empfinde das beruhigend, und es tröstet mich, dass es Dinge gibt, die wir hinnehmen und akzeptieren müssen, die wir nicht ändern oder reglementieren können!
So ähnlich ist es mit meinen Gefühlen für uns. Nach unserem langen, guten Gespräch habe ich intensiv darüber nachgedacht: was ist das? Doch es ist so, wie ich es heute Nachmittag schon sagte, es lässt sich einfach nicht einfach in Worte fassen. Und das mir! Wo ich beileibe für alles – früher oder später – Worte finde, sie aufschreiben und präzise setzen kann. Doch ich kann noch so viel darüber nachsinnen, ich kapituliere! Es geht nicht.
Es ist einfach da, lässt sich nicht wegdenken, nicht erklären, nicht klassifizieren, nicht... was auch immer!
Ich wage daher dreist den Vergleich mit dem Universum. Nicht mit dessen Unendlichkeit, Unzerstörbarkeit! Nein, aber die Unergründbarkeit, das Unerklärliche, das haben meine Gefühle mit dem Universum gemeinsam.
Vielleicht hat es etwas mit Magie zu tun? -
Nein.
Es hat keinen Zweck, weiter darüber zu nachzusinnen. Es ist genau so zu akzeptieren und anzunehmen, wie es ist. Mit Worten unfassbar, einmalig in dieser Art, und es ist wunderbar, so zu fühlen.
Ach, wie habe ich unsere Unterhaltung genossen, Liebster! Ich mag Dein Lachen! Du hebst den Kopf ein wenig, schließt Deine Augen fest, Deine Mundwinkel gehen weich nach oben, und ich fühle Dein Herz in diesem Lachen – und das meine lacht mit.
Jedes Wort, das Du sagst, nehme ich in mir auf. Ich fühle Deine Ehrlichkeit und zweifle nicht. Ganz gleich, was andere sagen, irgendwo in mir spricht eine Stimme laut und deutlich: wenn du diese Aussage deines Gegenübers nicht fühlen kannst, dann ist etwas daran verkehrt, was er sagt.
Auch so etwas Unerklärliches. Woher nehme ich, die ihr Leben lang nicht vertraute, immer misstrauisch auf der Hut gewesen ist, hinter jeder Gefälligkeit, jedem Kompliment, jeder Hilfestellung eine lauernde dicke Abrechnung befürchtete (und sie auch bekam!) dieses große Vertrauen? Ich weiß, dass ich mich verletzbar mache, dass ich vielleicht eines Tages leiden werde. Ich weiß es wohl, aber ich fürchte es nicht.
Auch dieses Vertrauen zu Dir ist nicht zu erklären, es ist einfach da, wird akzeptiert und angenommen. Und es macht mich glücklich, dass ich es kann.
Schon erstaunlich, was aus mir geworden ist. Bis jetzt habe ich noch nie darüber nachgedacht, und das ist für mich vielleicht das Beste. Aber ich möchte auch Zuschauer sein bei dieser Entwicklung, möchte keinen Moment versäumen. Lange habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt wie jetzt!
Wieder einmal mehr muss ich betonen, dass Du wesentlichen Anteil an dieser „Metamorphose“ hast. Und ich danke Dir dafür!
Du bist doch der Zauberer in meinem Leben.
Noch so ein Phänomen: ich sitze plötzlich hier und weine. Warum? Es kommt manchmal einfach so über mich, ich kann es dann nicht unterdrücken. Seit jenem Tag, als diese Schleusen erstmals geöffnet wurden, passiert mir das häufig. Ich glaube, ich habe in den vergangenen zwanzig Jahren nicht so viele Tränen vergossen wie seit diesem Sommer. Anfangs lief nur das berühmte Fass über, dann war es als fiele ein Panzer von mir, als würde ich eine alte Haut nach der anderen abstreifen. Und mittlerweile kommt dieses Weinen tief aus meinem Innern. Ich wehre mich nicht mehr dagegen, denn danach fühle ich mich immer freier.
Aber warum das so ist? Unerklärlich, unbegründbar, einfach zu akzeptieren und anzunehmen? Ist wohl so.
Es ist kurz nach Mitternacht. Ganz leise fällt Nieselregen vom bedeckten Nachthimmel. Ich habe ein Glas Wein in der Linken und wünschte mir in diesem Moment tatsächlich eine Zigarette in der Rechten – bloß wegen der Szenerie.
Ich habe Sehnsucht nach Dir. Am liebsten würde ich Dir das sagen, was ich schreibe – von Angesicht zu Angesicht. Aber das geht nicht. Und so schließe ich meine Augen und sende Dir meine Gedanken dorthin wo Du bist, was immer Du gerade tust oder denkst.
Schön, dass es Dich gibt!
ich
(© 12.12.97 by af)

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